Landeslehrgang Ju-Jutsu für Personen mit Beeinträchtigung

Am 10.09.2026 fand in beim TuS Quettingen (Leverkusen) ein Lehrgang zum Thema Ju-Jutsu für Menschen mit Behinderungen statt.

Eröffnet wurde der Lehrgang vom Referenten Heinz Schäfer (7.DAN) mit einem Austausch zu den Erfahrungen und Fragen aus dem Trainingsalltag der Teilnehmer zu dieser Thematik. Schnell wurde deutlich, dass es sowohl in Bezug auf ältere Ju-Jutsukas, die ihren Sport gerne auch im fortgeschrittenen Alter weiter ausüben wollen, wie auch bezüglich Menschen mit Behinderungen, die unseren Sport kennenlernen und sich dort weiter entwickeln wollen, einen zunehmend großen Bedarf gibt. Fragen, die sich aus der Teilnehmerrunde ergaben, bezogen sich zunächst auf konkrete Ideen und Anregungen, bezüglich der Herausforderung, unter Berücksichtigung individueller Einschränkungen älterer und behinderter Sportler, bestimmte Techniken zu vermitteln. Erörtert wurde aber auch die Notwendigkeit und die Möglichkeiten, Techniken des Prüfungsprogramms entsprechend anzupassen.

Im anschließenden ersten praktischen Teil thematisierte Heinz Schäfer zunächst Herausforderungen im Umgang mit Menschen, die unter Einschränkungen ihrer Sinneswahrnehmung leiden. Konkret vermittelte er verschiedene Möglichkeiten, blinden oder sehbehinderten Sportlern über eine erste taktile Kontaktaufnahme (einfaches Berühren mit den Händen und Armen mit Druck- oder Zugaufbau) quasi spielerisch sinnvolle und individuelle umsetzbare Ju-Jutsu Techniken zu vermitteln.

Besonderen Wert legte er dabei auf folgende Aspekte:

  • Eine entsprechende Bewegungslehre (ausnutzen der Kraft und Bewegungsrichtung des Angreifers statt Kraft gegen Kraft einzusetzen).
  • Vermittlung eines Gefühls von Sicherheit und Erfolg durch die Konzentration auf einfache Techniken.
  • Ein entsprechendes Einfühlen in die speziellen Herausforderungen von Sportlern mit Einschränkungen und Handicaps.

Der Schwerpunkt des zweiten Lehrgangsteils lag dann auch in der Vermittlung konkreten Erlebens, Ju-Jutsu mit bestimmten Einschränkungen auszuüben. Dazu schlossen die jeweiligen Trainingspartner die Augen, benutzten entsprechende Masken oder benutzen lediglich einen Arm, um sinnvoll auf verschiedene Angriffe zu reagieren (z.B. Fassen ins Revers) und daraus in eine umsetzbare Technik (z.B. Beinstellen/ Große Außensichel) überzugehen. Große Freunde bereitete die Tatsache, dass der Referent den Teilnehmern ausreichend Raum gab, eigene Ideen und entsprechende Bewegungsformen und Techniken auszuprobieren und zu entwickeln.   

Nach drei Stunden, die im Flug verflogen, endete dann ein sehr abwechslungsreicher und interessanter Lehrgang, von dem die Teilnehmer mit Sicherheit viele neue Ideen und Anregungen für die eigene Trainingsarbeit mitnehmen konnten.

Vielen Dank an Heinz als Referent und den TuS 05 Quettingen als Ausrichter für diesen Lehrgang zu einem Thema, das uns als Trainer, aber auch im Allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs mit Sicherheit noch weiter beschäftigen wird.

Martin Kilian, NWJJV